Die Universität zu Köln hat ihre frühere Einordnung des Ehrensenators Hermann Pünder korrigiert. Anlass war eine grundsätzliche Erklärung im Zuge der Hundertjahrfeier der Universität, in der sich die Hochschule von Ehrungen aus der Zeit des Nationalsozialismus und von späteren Auszeichnungen distanziert hatte, sofern mögliche NS-Belastungen der Geehrten nicht ausreichend berücksichtigt worden seien. Pünders gleichnamiger Enkel wandte sich gegen die Einordnung seines Großvaters und setzte sich damit erfolgreich durch.
Auszeichnungen nach dem Krieg
Pünder war der Universität zu Köln seit den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg eng verbunden. An seinem 65. Geburtstag am 1. April 1953 verlieh ihm die Rechtswissenschaftliche Fakultät die Ehrendoktorwürde. In der Begründung würdigte sie seine Arbeit für den Wiederaufbau von Forschung und Lehre in Köln sowie seinen Einsatz für die deutsche Wissenschaft. Außerdem wurde Pünder als Ratgeber der Max-Planck-Gesellschaft bezeichnet.
„in Würdigung der großen Verdienste, die er seit 1945 in oft hoffnungslos scheinenden Lagen als einer der meisterfahrenen Männer der Verwaltung um das Wiedererstehen von Forschung und Lehre in Köln und als einer der bedeutendsten Ratgeber der Max-Planck-Gesellschaft um die gesamte deutsche Wissenschaft erworben hat“
14 Jahre später ernannte die Universität Pünder zum Ehrensenator. Mit dieser Auszeichnung war damals eine der höchsten Ehrungen der Hochschule verbunden. Die Universität beschrieb ihn bei dieser Gelegenheit als „sorgenden Freund“ und „hochherzigen Helfer“. Die Ehrung stand damit in einer Phase, in der Pünder bereits über lange Zeit Beziehungen zur Kölner Hochschule und ihren Förderern unterhalten hatte.
Politische und administrative Funktionen
Hermann Pünder wurde 1888 geboren und wuchs in Köln auf. Seine berufliche Laufbahn führte ihn zunächst in die Verwaltung der Weimarer Republik. Er arbeitete als Ministerialdirektor und Staatssekretär in der Reichskanzlei. In diesen Funktionen war er unter den Reichskanzlern Luther, Marx, Müller und Brüning tätig. Später wurde er Regierungspräsident von Münster.
- 1945 bis 1948: Pünder war Oberbürgermeister von Köln und folgte in diesem Amt auf Konrad Adenauer.
- Ab 1947: Er übernahm den Vorsitz des Vereins der Freunde und Förderer der Kölner Universität.
- 1949 bis 1957: Pünder saß für einen Kölner Wahlkreis im Deutschen Bundestag.
Als Oberdirektor des Verwaltungsrates der Bizone hatte Pünder nach dem Krieg eine zentrale Verwaltungsfunktion inne. In dieser Rolle gilt er im funktionalen Sinn als Vorgänger des ersten Bundeskanzlers. Seine politische Tätigkeit für einen Kölner Wahlkreis und sein Engagement für die Universität fielen in dieselbe Nachkriegszeit, in der die Hochschule Forschung und Lehre neu aufbauen musste.
Neue Bewertung der Ehrungen
Die spätere Distanzierung der Universität bezog sich nicht nur auf Ehrungen aus den zwölf Jahren des Nationalsozialismus. Die Hochschule stellte zugleich auch Auszeichnungen nach 1945 infrage, wenn mögliche Belastungen der Geehrten aus heutiger Sicht nicht hinreichend berücksichtigt worden seien. Der damalige Rektor Axel Freimuth erklärte, Ehrungen von Personen mit einer NS-Belastung seien weit über das Ende des Nationalsozialismus hinaus verbreitet gewesen.
Im Fall Pünder führte diese Neubewertung zu einem juristischen Vorgehen seines Enkels. Die Auseinandersetzung endete mit der Rehabilitierung des früheren Kölner Oberbürgermeisters und Ehrensenators. Damit steht Pünders Wirken für den Wiederaufbau der Universität und der Kölner Verwaltung wieder im Mittelpunkt der historischen Einordnung.