Im Museum Ludwig steht ab Samstag, 31. Oktober 2026, eines der bekanntesten Bilder des Surrealismus im Mittelpunkt: Man Rays Fotografie „Le Violon d’Ingres“. Die Ausstellung ist bis zum 13. Juni 2027 zu sehen und widmet sich zugleich der Entstehungsgeschichte des Motivs und der Zusammenarbeit des Künstlers mit Alice Prin, die unter dem Namen Kiki de Montparnasse bekannt wurde.
Ein Rückenakt mit Anspielung auf Ingres
Die Aufnahme aus dem Jahr 1924 zeigt Kiki als Rückenakt. Man Ray ergänzte auf ihrem Rücken die Schallöffnungen einer Geige. Damit verwies er auf den französischen Maler Jean-Auguste-Dominique Ingres, dessen Name mit dem Instrumentenspiel verbunden war. Aus der Verbindung von fotografischem Porträt, zeichnerischem Eingriff und kunsthistorischer Anspielung entstand ein Bild, das bis heute zu den häufig reproduzierten Werken der surrealistischen Fotografie zählt.
In Köln ist eine spätere, von Man Ray signierte Reproduktion der zweiten ursprünglichen Fassung zu sehen. Das Fotowerk kam 1977 gemeinsam mit der Sammlung von L. Fritz und Renate Gruber in das Museum Ludwig. Von dem Motiv existieren zwei ursprüngliche Varianten:
- In der ersten Version wurden die Schalllöcher direkt auf den Fotoabzug gemalt.
- Für die zweite Fassung kombinierte Man Ray ein Fotogramm mit dem ursprünglichen Negativ und arbeitete dabei mit einer Schablone.
Fotografien, Tonaufnahmen und Archivmaterial
Die Präsentation beschränkt sich nicht auf das berühmte Einzelbild. Zu sehen sind weitere Fotografien von Kiki sowie historische Bild- und Tonaufnahmen. Ergänzend geben Dokumente aus dem Man Ray – L. Fritz Gruber-Archiv Einblicke in die Herstellung des Werks und in seine spätere Rezeption. Kuratiert wird die Ausstellung von Miriam Szwast.
Kiki de Montparnasse wurde 1901 geboren und starb 1953. In Paris arbeitete sie unter anderem als Sängerin, Schauspielerin, Malerin und Modell. Man Ray lernte sie 1921 kennen. Beide waren acht Jahre lang liiert; in dieser Zeit entstanden zahlreiche Porträts und Aktaufnahmen. Die Ausstellung rückt damit nicht nur Man Rays Bildidee, sondern auch die Person in den Blick, die für die Aufnahme Modell stand.
Ein Werk mit zwei fotografischen Ausgangspunkten
Die unterschiedlichen Herstellungsweisen der beiden Fassungen machen nachvollziehbar, wie eng Fotografie und nachträgliche Bearbeitung bei Man Ray verbunden waren. Zugleich zeigt die Präsentation, wie aus einem einzelnen Motiv durch Varianten, Reproduktionen und spätere Dokumente ein Werk mit eigener Rezeptionsgeschichte wurde. Wie viele Abzüge insgesamt existieren, ist nach Angaben des Museums bislang nicht abschließend geklärt. Eine Fassung erzielte 2022 bei einer Auktion einen Rekordpreis für eine Fotografie.
Das Museum Ludwig zeigt die Ausstellung vom 31. Oktober 2026 bis 13. Juni 2027 in Köln. Neben „Le Violon d’Ingres“ bilden die ergänzenden Fotografien und Archivmaterialien den Rahmen für die Auseinandersetzung mit Man Rays Arbeit und Kiki de Montparnasse.