Die Staatsanwaltschaft in Dortmund führt Ermittlungen gegen mehr als 40 Beschuldigte im Zusammenhang mit Tonnen schadstoffbelasteter Böden, die an verschiedenen Orten in Nordrhein‑Westfalen illegal abgeladen worden sein sollen. Die Zahlen nannte ein Sprecher der Zentralstelle für die Verfolgung der Umweltkriminalität (ZeUK) in NRW.
Schwerpunkte: Komplex Garzweiler und weitere Tatorte
Im Komplex Garzweiler richtet sich der Verdacht nach Angaben von Staatsanwalt Alexander Kilimann gegen zwölf Tatverdächtige. Unter den Beschuldigten seien Personen aus dem Baustoffsektor, denen vorgeworfen werde, in der Nähe des rheinischen Tagebaus große Mengen belasteten Bodenaushubs abgeladen zu haben. In dem Zusammenhang werde gegen einen Geschäftsführer aus Grevenbroich, seinen Sohn und vier weitere Beschuldigte ermittelt.
Art der Vorwürfe und bereits erhobene Anklagen
- Die Ermittler werfen einigen Beschuldigten vor, Tausende Lieferdokumente von Entsorgungsbetrieben gefälscht zu haben, um die verunreinigten Böden nicht ordnungsgemäß und damit kostspielig entsorgen zu müssen.
- Es werde unter anderem gegen mehrere Bauleiter in verschiedenen Firmen wegen des Vorwurfs der Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr ermittelt, sagte Kilimann.
- In dem Ermittlungsverbund „Boden NRW“ sind bereits zwei Anklagen erhoben worden.
Ein bereits wegen Umweltdelikten vorbestrafter Mann befindet sich demnach weiterhin in Untersuchungshaft; gegen ihn hat vor dem Landgericht Dortmund ein Strafprozess begonnen. Der Beschuldigte soll nach Darstellung der Staatsanwaltschaft belastete Böden und gefährliche Abfälle teils umdeklariert oder mit unbelasteten Materialien vermischt und in großen Mengen illegal entsorgt haben. Als Tatorte wurden unter anderem Kamp‑Lintfort und Selfkant nahe der niederländischen Grenze genannt.
Vorgeschichte der Ermittlungen
Zu dem Komplex „Boden NRW“ wird bereits seit mehreren Jahren ermittelt. In den Jahren 2024 und 2025 gab es nach Angaben der Staatsanwaltschaft größere Razzien sowie mehrere kleinere Durchsuchungen. Die Ermittlungen erstrecken sich nach Angaben der Behörde über mehrere Orte in Nordrhein‑Westfalen; die Staatsanwaltschaft machte keine näheren Angaben zu Einzelverfahren mit Blick auf die laufenden Prozesse.
Verfahren und mögliche Folgen
Nach Aussage der Dortmunder Ermittler sind neben Anklagen und Untersuchungshaft weitere Verfahren anhängig, weil zahlreiche Tatverdächtige in verschiedenen Fällen schwere Umweltstraftaten begangen haben sollen.
Die Ermittlungen der ZeUK bündeln die Vorwürfe gegen Akteure aus dem Bau‑ und Entsorgungssektor und kombinieren strafrechtliche Aspekte wie Umweltstraftaten und Bestechlichkeitsvorgänge. Ziel ist nach Angaben der Staatsanwaltschaft die umfassende Aufklärung der einzelnen Straftatkomplexe und — wo angezeigt — die Erhebung weiterer Anklagen.