Mehr Eltern in Deutschland lesen ihren Kindern regelmäßig vor: Der Vorlesemonitor 2026 der Stiftung Lesen, in Kooperation mit Die Zeit und der Deutsche Bahn Stiftung, nennt einen Anteil von knapp 77 Prozent der befragten Eltern, die ihren Kindern mehrmals am Tag, einmal am Tag oder mehrmals in der Woche vorlesen. Bei der vorherigen Erhebung 2024 lag der Wert noch bei knapp 68 Prozent, zwei Jahre davor bei rund 61 Prozent.
Weniger Eltern lesen nie vor
Der Anteil der Eltern, die ihren Kindern niemals vorlesen, sank von etwa einem Fünftel 2022 auf nunmehr 12 Prozent. Die Auswertung wurde von einem Team um Timm Albers, Professor am Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Paderborn, vorgenommen. Albers bewertete die Entwicklung als Fortsetzung eines seit 2022 zu beobachtenden positiven Trends.
Die Untersuchung beruht auf einer repräsentativen Stichprobe von 914 Eltern. Besonders auffällig war demnach der Zuwachs beim Vorlesen an die Kleinsten: Von 115 befragten Eltern einjähriger Kinder gaben drei Viertel an, mehrmals oder einmal pro Tag beziehungsweise mehrmals pro Woche vorzulesen. Vor zwei Jahren lag dieser Anteil noch bei 59 Prozent. Bei den Eltern von zwei Jahre alten Kindern nannten 116 Befragte, von denen 93 Prozent regelmäßige Vorleser sind (2024: 78 Prozent).
Bedeutung für Sprachförderung
Albers betonte gegenüber der dpa, dass frühes Vorlesen zentral für den Erwerb von Sprache und Wortschatz sei. Eine gewisse Routine helfe, beim Vorlesen mit Kindern ins Gespräch zu kommen, wodurch zusätzliche Sprachimpulse gesetzt würden. Das Lesen stehe möglicherweise auch deshalb stärker im Fokus, weil Bildungsstudien insgesamt schlechtere Ergebnisse zeigten.
- 77 Prozent: Eltern, die regelmäßig vorlesen (2026)
- 12 Prozent: Eltern, die nie vorlesen (2026)
- 914: Zahl der befragten Eltern in der Studie
Den Angaben zufolge führt der Hauptgeschäftsführer der Stiftung Lesen, Jörg Maas, die positive Entwicklung unter anderem auf Effekte des vom Bund geförderten Programms „Lesestart 1–2–3“ zurück, das in Kinder‑ und Jugendarztpraxen Materialien ausgebe und Familien anspreche.
Der Vorlesemonitor ist ein seit 2007 bestehendes Gemeinschaftsprojekt der genannten Organisationen; seit 2024 wird die Befragung im zweijährigen Rhythmus durchgeführt. Die aktuelle Ausgabe bestätigt nach den Worten der Beteiligten eine anhaltende Zunahme des Vorlesens, besonders bei Kleinkindern.