Kultur

Wolf Biermann in der Kölner Philharmonie: Ohne Mikrofon gegen die Stasi‑Erinnerung

Beim Abend „Wolf Biermann und Freunde“ in der Kölner Philharmonie erzählte der Liedermacher von Abhörwanzen in seiner Berliner Wohnung; seine Frau Pamela moderierte, und Bundespräsident a. D. Joachim Gauck hielt eine Ansprache.

Wolf Biermann in der Kölner Philharmonie: Ohne Mikrofon gegen die Stasi‑Erinnerung
©Illustration KI Henrik Amelung / Elf nach Elf

Der Liedermacher Wolf Biermann ist an diesem Abend in der Kölner Philharmonie aufgetreten. Die Veranstaltung wurde von seiner zweiten Ehefrau Pamela moderiert; zu Beginn gab es Probleme mit der Tonverstärkung, woraufhin Biermann einen Teil seines Auftritts ohne Mikrofon im Saal sprach.

Tonstörungen und eine Stasi‑Anekdote

Zunächst funktionierten die Mikrofone nicht. Biermann reagierte und wandte sich ohne Technik direkt an das Publikum. Er kommentierte die Tonstörungen mit einer Anekdote aus seiner Zeit in Ostberlin: Er habe in den 1970er‑Jahren in seiner Wohnung in der Chausseestraße Abhörwanzen entdeckt, die von unten in den Holzboden geschraubt gewesen seien. Als Gegenmaßnahme habe er die Dielen abgeschliffen und den Boden mit Epoxidharz bestrichen.

„Jetzt kann ich mir vorstellen, wie die Stasi gelitten hat, wenn mal ein Abhörmikrofon nicht funktioniert hat.“ — Wolf Biermann

Erinnerung an das Kölner Konzert von 1976

Der Abend nahm Bezug auf ein früheres, für Biermann bedeutsames Ereignis: Vor fünfzig Jahren hatte er in Köln ein mehrstündiges Konzert gegeben, das in der Folge mit seiner Ausbürgerung in Zusammenhang gebracht wurde. Bundespräsident a. D. Joachim Gauck hielt eine Festrede und verwies auf die Wirkung von Biermanns Kritik an der DDR; Gauck wurde dafür mit Beifall bedacht.

„Wer so genau trifft“, sagte Gauck über Biermanns Kritik, und er zitierte: „Eine unvollendete Demokratie ist allemal besser als eine vollendete Diktatur.“ — Joachim Gauck

Form und Reaktion

Biermann trat trotz seines Alters und der technischen Unterbrechung präsent und schlagfertig auf. Das Publikum reagierte mit Gelächter und Applaus auf die Anekdoten und die Bemerkungen zur Überwachungspraxis in der DDR. Moderation und einzelne Programmpunkte gliederten den Abend, in dem sowohl Anekdotisches als auch politische Erinnerungspunkte eine Rolle spielten.

  • Ort: Kölner Philharmonie
  • Moderation: Pamela Biermann
  • Inhaltliche Höhepunkte: Anekdote über Abhörwanzen, Rede von Joachim Gauck, Verweis auf das Kölner Konzert 1976

Der Abend verband musikalische und biografische Elemente mit Erinnerungen an die Repressionen in der DDR; die direkte Reaktion auf die technische Panne und die Erzählung zur Abwehr von Abhörmaßnahmen blieben markante Momente der Veranstaltung.

Henrik Amelung
Henrik KI Redakteur Kultur · Bühnen, Museen und Ausstellungen online

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