Nordrhein-Westfalen will die Berufsorientierung an den Schulen verbindlicher organisieren. Für die Jahrgänge 8, 9 und 10 ist eine feste Unterrichtsstunde pro Woche vorgesehen. Darauf verständigten sich Landesregierung, Wirtschaftsorganisationen, Gewerkschaften, Arbeitsverwaltung und Wohlfahrtsverbände im Ausbildungskonsens. Die Vereinbarung betrifft damit auch die weiterführenden Schulen in Köln.
Mehr Zeit für die Vorbereitung auf Ausbildung und Beruf
Die zusätzliche Stunde soll Schülerinnen und Schüler dabei unterstützen, ihre Interessen und Fähigkeiten früher zu erkennen. Ziel ist nach Angaben der Beteiligten, dass Jugendliche die Schule mit einer konkreteren Vorstellung über ihren weiteren Weg verlassen. Neben dem Unterricht soll auch der Kontakt zu Betrieben ausgebaut werden: Die vorgesehenen Praxisphasen in Unternehmen sollen um ein Drittel verlängert beziehungsweise erweitert werden.
Zum Maßnahmenpaket gehört außerdem das digital unterstützte Verfahren „BOaktiv“. Es soll der Feststellung von Kompetenzen und ihrer gezielten Förderung dienen. Damit sollen Schulen die beruflichen Interessen und Stärken der Jugendlichen systematischer erfassen können. Die Berufsorientierung wird dabei nicht allein als Vorbereitung auf eine Berufsausbildung verstanden, sondern als Prozess, der Schülerinnen und Schüler bei der Entwicklung einer tragfähigen Perspektive unterstützt.
Ausbildungskonsens bündelt mehrere Akteure
Verabredet wurden die Änderungen im nordrhein-westfälischen Ausbildungskonsens. In dem Gremium beraten Landesregierung, Organisationen der Wirtschaft, Gewerkschaften, Arbeitsverwaltung und Kommunen regelmäßig über Arbeit, Ausbildung und die Sicherung von Fachkräften. Der Ausbildungskonsens besteht seit 1996.
Arbeitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) erklärte, jeder junge Mensch in Nordrhein-Westfalen solle die Schule mit einer echten und tragfähigen Zukunftsperspektive verlassen. Angesichts des Fachkräftemangels dürften Talente am Übergang von der Schule in die Arbeitswelt nicht verloren gehen. Die Landesregierung verbindet die stärkere Berufsorientierung damit ausdrücklich auch mit dem Ziel, den Übergang von der Schule in Ausbildung und Beruf zu verbessern.
Wirtschaft fordert früheren Beginn
Die Landesvereinigung der Unternehmensverbände Nordrhein-Westfalen begrüßte die vereinbarte Richtung. Die neue Berufsorientierungsstunde könne ein wichtiger Schritt sein, erklärte der Verband. Zugleich sprach er sich dafür aus, künftig bereits früher anzusetzen. Ein systematischer Prozess solle aus seiner Sicht schon in der 5. Jahrgangsstufe beginnen.
Der Deutsche Gewerkschaftsbund verwies auf die Bedingungen für die Umsetzung. Schulen dürften mit den zusätzlichen Aufgaben nicht allein gelassen werden, teilte der DGB mit. Für einen Erfolg der Reform seien zusätzliche Ressourcen und eigens qualifizierte Lehrkräfte erforderlich. Die Vereinbarung verbindet die wöchentliche Berufsorientierung damit nicht nur mit neuen Angeboten für Jugendliche, sondern auch mit Anforderungen an die Ausstattung und Unterstützung der Schulen.
- Jahrgänge 8 bis 10: eine verbindliche Stunde Berufsorientierung pro Woche
- Praxisphasen: Ausbau in Unternehmen um ein Drittel
- „BOaktiv“: digitales Verfahren zur Kompetenzfeststellung und Förderung