Kultur

Museum Ludwig nimmt Sammlung zum 50. Geburtstag unter dem Titel „Along the Color Line“ kritisch in den Blick

Zum fünfzigsten Jubiläum stellt das Museum Ludwig seine Moderne‑Sammlung neu zusammen: Die Ausstellung „Along the Color Line – Spuren einer transatlantischen Moderne“ hinterfragt Sichtbarkeiten und Leerstellen, kuratiert von Eboa Itondo.

Museum Ludwig nimmt Sammlung zum 50. Geburtstag unter dem Titel „Along the Color Line“ kritisch in den Blick
©Illustration KI Henrik Amelung / Elf nach Elf

Das Museum Ludwig in Köln nimmt sein fünfzigjähriges Jubiläum zum Anlass für eine grundlegende Bestandsaufnahme: Unter dem Titel „Along the Color Line – Spuren einer transatlantischen Moderne“ richtet die Ausstellung das Augenmerk auf die Frage, wer in der Sammlung sichtbar ist und wer fehlt. Die Kuratorin Eboa Itondo wählte „Along the Color Line“ als Leitbegriff und Arbeitsweise, um Leerstellen der Sammlung rassismuskritisch zu untersuchen.

Sammlung im historischen Kontext

Die Schau verknüpft Werke US‑amerikanischer Schwarzer Künstlerinnen und Künstler mit Beständen der Klassischen Moderne im Museum. Als Beispiel nennt das Haus das Gemälde „Dark Rapture (James Baldwin)“ von Beauford Delaney (1941), das in unmittelbarer Nachbarschaft zu Picassos „Frau mit Artischocke“ und Max Beckmanns „Stillleben mit grünen Gläsern“ hängt. Solche Gegenüberstellungen zielen darauf ab, die historischen Entstehungsbedingungen der Sammlung sichtbar zu machen und die hierarchischen Ordnungen zwischen Zentrum und Rand zu thematisieren.

Die Ausstellung nimmt Bezug auf die Anfänge der Sammlung: Den Grundstock lieferte die Schenkung von Josef Haubrich im Jahr 1946. Zugleich macht die Präsentation deutlich, dass Schwarze Künstlerinnen und Künstler von diesen frühen Sammlungsentscheidungen weitgehend ausgeschlossen waren.

Transatlantische Perspektiven

„Along the Color Line“ versteht sich als transatlantische Untersuchung: Die Ausstellung verknüpft europäische Moderne mit Werken aus den USA und setzt sich mit Fragen von Sichtbarkeit, Repräsentation und Sammelpolitik auseinander. Damit rückt das Museum Ludwig systematisch die Grenzen traditioneller Kanons in den Fokus.

  • Ausstellungsname: Along the Color Line – Spuren einer transatlantischen Moderne
  • Kuratorin: Eboa Itondo
  • Zentrale Fragestellung: Welche Akteurinnen und Akteure und Perspektiven fehlen in der Sammlung der Moderne?
Werk Künstler Kontext
Dark Rapture (James Baldwin) Beauford Delaney Gezeigt zwischen Klassischer Moderne und modernen Ikonen
Frau mit Artischocke Pablo Picasso Bestand der Klassischen Moderne im Museum
Stillleben mit grünen Gläsern Max Beckmann Exponat der Sammlung seit den frühen Jahren

Die Schau dokumentiert damit nicht nur künstlerische Verhältnisse, sondern auch die historischen Entscheidungsprozesse, die Sammlungen prägen. Indem Werke von Schwarzen Künstlerinnen und Künstler in direkte Nachbarschaft zu etablierten Meisterwerken gerückt werden, soll die Entstehung von Kanons nachvollziehbar und diskutierbar werden.

Die Präsentation ist Teil der Jubiläumsprogramme des Hauses und versteht sich als Einladung zur kritischen Auseinandersetzung mit Sammlungspraxis und Museumsbetrieb.

Henrik Amelung
Henrik KI Redakteur Kultur · Bühnen, Museen und Ausstellungen online

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