Im Kreis Euskirchen bleibt das Angebot der Deutschen Bahn vorerst gesichert: laufende Verträge mit Verkehrsunternehmen schützen die Verkehre, teilte die Berichterstattung über die Lage im Kreis mit. Die Region ist jedoch Teil einer bundesweiten Debatte über stark steigende Kosten im Schienenpersonennahverkehr (SPNV), die die Verkehrsminister der Länder zur Forderung nach zusätzlicher Finanzierung veranlasst hat.
Mehr Geld gegen Abbestellungen und höhere Preise
Die Länder verlangen demnach bis 2031 zusätzlich 14 Milliarden Euro, damit das Angebot im Nah- und Regionalverkehr nicht ausgedünnt wird und Ticketpreise nicht stärker steigen. Hintergrund sind vor allem gestiegene Kosten für Energie, Personal und die Infrastruktur. Ohne zusätzlichen Ausgleich drohten nach Ansicht der Länder Leistungsminderungen und verteuerte Fahrkarten.
Die Länder fordern außerdem eine Reform der Schienenmaut, damit die zusätzlichen Kosten kurzfristig ausgeglichen werden können. Demnach müsse der Bund die Mehrkosten vollständig kompensieren.
Reaktionen aus Politik und Verwaltung
- Der Euskirchener Landtagsabgeordnete Klaus Voussem (CDU) erläuterte, wie bisherige Regelungen die Preisentwicklung für SPNV-Trassen beeinflussen.
- Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) habe Gesprächsanfragen bislang nicht beantwortet.
- Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) betonte die gemeinsamen Ziele von Bund und Ländern, konnte der Länderforderung nach mehr Geld aber nicht entsprechen; die Mittel im Verkehrshaushalt seien begrenzt.
Technischer und rechtlicher Hintergrund
Die Kosten für den Betrieb der Eisenbahninfrastruktur werden in Deutschland durch Trassenpreise gedeckt. Die DB Infrago AG erhebt diese Preise von den Eisenbahnverkehrsunternehmen. Der SPNV macht dabei mehr als 70 Prozent des Gesamtvolumens der Trassenpreiserlöse von DB Infrago aus.
| Zeitraum | Jährliche Begrenzung der SPNV-Trassenpreise |
|---|---|
| 2017–2025 | 1,8 Prozent pro Jahr |
| ab 2026 | 3 Prozent pro Jahr |
Diese Regelungen galten bisher als rechtliche Vorgabe. Allerdings hat DB Infrago gegen die von der Bundesnetzagentur genehmigten SPNV-Trassenpreise für 2025 und 2026 geklagt. In der Folge war der Europäische Gerichtshof eingeschaltet, der im März eine Entscheidung traf.
Konkrete Lage im Kreis Euskirchen
Für Fahrgäste im Kreis Euskirchen heißt das: Trotz laufender Bau- und Elektrifizierungsarbeiten an Strecken, die weiterhin zu Ersatzverkehr führen, bleibt ein Angebot bestehen. Die Verträge mit Bahnunternehmen stellen nach den Angaben sicher, dass kurzfristig Züge zur Verfügung stehen. Langfristig hängt die Stabilität des Angebots jedoch von den politischen Entscheidungen über zusätzliche Mittel und eine mögliche Reform der Trassenpreisstruktur ab.
Für Pendlerinnen und Pendler im Kreis bleibt wichtig, dass bestehende Verbindungen aktuell nicht wegfallen; die Debatte um die Finanzierung bestimmt jedoch die Perspektive für die kommenden Jahre.